Employer Branding bedeutet auch Verantwortung.Warum psychische Gesundheit kein „Benefit“ sein darf

Zwei Personen im Gespräch in modernem Büro

30. Juli 2026 | Janine Praxmarer

Wenn wir heute über Employer Branding sprechen, denken viele sofort an moderne Büros, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Teamevents oder bunte Social-Media-Posts. Unternehmen investieren viel Zeit und Geld, um sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren – und das ist auch gut so. Aber ich glaube, wir müssen anfangen, Employer Branding neu zu denken.

Denn eine starke Arbeitgebermarke entsteht nicht durch Marketing. Sie entsteht durch Menschen.

Durch Mitarbeitende, die gerne zur Arbeit kommen. Die sich wertgeschätzt fühlen. Die wissen, dass sie nicht nur für ihre Leistung gesehen werden, sondern als Mensch.

Und genau hier kommt ein Thema ins Spiel, das meiner Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit verdient: die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz.

Employer Branding endet nicht mit der Unterschrift

Viele Unternehmen sprechen im Recruiting von Wertschätzung, Teamgeist und einer offenen Unternehmenskultur. Im Bewerbungsgespräch wird betont, wie wichtig die Mitarbeitenden sind und dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Doch genau dort darf Employer Branding nicht aufhören.

Eigentlich beginnt es erst mit dem ersten Arbeitstag.

Denn was bringt das schönste Employer Branding, wenn Mitarbeitende nach wenigen Monaten merken, dass die versprochenen Werte im Alltag keine Rolle mehr spielen?

  • Wenn Überstunden zur Normalität werden.
  • Wenn ständig erreichbar sein als selbstverständlich gilt.
  • Wenn niemand bemerkt, dass jemand seit Wochen überlastet ist.
  • Oder wenn man sich nicht traut zu sagen, dass es einem gerade nicht gut geht, weil man Angst hat, als weniger belastbar zu gelten.

Dann stimmt etwas nicht.

Menschen sind keine Ressourcen

In Unternehmen sprechen wir oft von „Human Resources". Aber eigentlich gefällt mir dieser Begriff gar nicht. Denn Menschen sind keine Ressourcen. Sie sind auch keine Maschinen, die jeden Tag dieselbe Leistung bringen können.

Jeder von uns hat gute Tage und schlechte Tage. Jeder trägt sein eigenes Päckchen. Manchmal sind es private Sorgen, manchmal Stress im Job oder Situationen, die niemand von außen sieht.

Genau deshalb wünsche ich mir Unternehmen, die nicht erst reagieren, wenn jemand ausfällt. Sondern Unternehmen, die früher hinschauen.

„Wie geht es dir wirklich?" – und die bereit sind, diese Antwort auch auszuhalten.

Psychische Gesundheit ist kein Marketinginstrument

Leider habe ich manchmal das Gefühl, dass psychische Gesundheit in manchen Unternehmen vor allem dann sichtbar wird, wenn sie gut nach außen kommuniziert werden kann.

Ein Beitrag zum Mental Health Day. Ein Zitat auf LinkedIn. Ein Workshop einmal im Jahr.

Das alles ist ein Anfang. Aber es reicht nicht. Psychische Gesundheit muss Teil der Unternehmenskultur werden – und das jeden Tag und nicht nur dann, wenn es gerade gut aussieht.

Genau deshalb gibt es careTALKS

Aus genau dieser Überzeugung heraus haben Heinz Süess und ich careTALKS gegründet. Weil wir glauben, dass sich etwas ändern muss.

Mit careTALKS möchten wir Menschen und Unternehmen zusammenbringen und einen offenen Dialog über psychische Gesundheit fördern. Wir möchten zeigen, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, über Belastungen zu sprechen. Im Gegenteil: Es braucht Mut, ehrlich zu sein.

Unser Ziel ist es, Unternehmen dafür zu sensibilisieren, dass mentale Gesundheit kein Randthema ist, sondern ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Unternehmenskultur – und damit auch einer glaubwürdigen Arbeitgebermarke.

Denn Employer Branding bedeutet nicht nur, neue Talente zu gewinnen. Es bedeutet vor allem, die Menschen, die bereits Teil des Unternehmens sind, langfristig zu begleiten, zu unterstützen und wertzuschätzen.

Die Arbeitgeber der Zukunft

Ich bin überzeugt, dass die erfolgreichsten Unternehmen der Zukunft nicht diejenigen sein werden, die die größte Recruiting-Kampagne oder die meisten Benefits anbieten.

Es werden die Unternehmen sein, deren Mitarbeitende sagen:

„Hier kann ich ich selbst sein."
„Hier werde ich ernst genommen."
„Hier muss ich nicht perfekt sein."
„Hier darf ich auch einmal sagen, dass es mir nicht gut geht."

Genau das ist für mich modernes Employer Branding.

Denn am Ende erinnern sich Menschen nicht daran, was ein Unternehmen über sich selbst gesagt hat. Sie erinnern sich daran, wie sie sich dort gefühlt haben.

Und genau deshalb ist es unsere Mission mit careTALKS, dieses Bewusstsein zu stärken. Wir möchten Unternehmen inspirieren, psychische Gesundheit nicht als Zusatzangebot oder Marketingbotschaft zu sehen, sondern als festen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur. Denn eine starke Arbeitgebermarke entsteht dort, wo Menschen sich sicher fühlen, gehört werden und wissen, dass ihre Gesundheit genauso wichtig ist wie ihre Leistung.

Echte Arbeitgebermarken entstehen nicht durch Worte – sondern durch gelebte Menschlichkeit.

careTALKS – ein geschützter Raum für offene Gespräche über psychische Gesundheit.

Jetzt careTALKS besuchen

Kommentar zum Blog?

Zwei Personen im Gespräch in modernem Büro
Embedded Recruiting
creadmin

Employer Branding bedeutet auch Verantwortung.Warum psychische Gesundheit kein „Benefit“ sein darf

Wenn wir heute über Employer Branding sprechen, denken viele sofort an moderne Büros, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Teamevents oder bunte Social-Media-Posts. Unternehmen investieren viel Zeit und Geld, um sich als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren – und das ist auch gut so. Aber ich glaube, wir müssen anfangen, Employer Branding neu zu denken.
Denn eine starke Arbeitgebermarke entsteht nicht durch Marketing. Sie entsteht durch Menschen.

Weiterlesen »
Teamarbeit mit Laptop und kleinem Roboter im Büro
Digitalisierung
creadmin

Deskilling durch KI: Wie HR und KMU ihre Nachwuchskräfte schützen – und stärken

Im Schweizer Arbeitsmarkt verschwinden klassische Einstiegsjobs, während generative KI immer mehr Aufgaben in Büro- und Wissensberufen übernimmt. Der Tages-Anzeiger berichtet von einem schleichenden Wissensverlust und beschreibt, wie Unternehmen bereits Gegenmaßnahmen ergreifen, um Nachwuchs und Urteilsvermögen im Unternehmen zu sichern (Hollenstein, 2024). Parallel zeigt eine Schweizer Arbeitsmarktanalyse von Jobcloud, dass Junior-Stellen in KI-exponierten Funktionen deutlich zurückgegangen sind, was die Diskussion um Deskilling zusätzlich verschärft (Jobcloud AG, 2026; Reuters, 2026). Für HR-Verantwortliche und Geschäftsleitungen von KMU stellt sich damit eine strategische Frage: Wie lässt sich KI produktiv nutzen, ohne den Kompetenzaufbau im Unternehmen zu untergraben?

Weiterlesen »
Vier Personen im Büro bei Besprechung am Tisch
Embedded Recruiting
creadmin

Employer Branding beginnt nicht mit einer Stellenanzeige: sondern mit Ehrlichkeit.

Wenn mich vor ein paar Jahren jemand gefragt hätte, was Employer Branding eigentlich ist, hätte ich wahrscheinlich gesagt: “Das ist halt Marketing für Arbeitgeber.” Schöne Bilder, moderne Büros, ein Obstkorb, Homeoffice, Team-Events und auf jeder zweiten Karriereseite steht: “Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt.”
Heute sehe ich das alles komplett anders.

Weiterlesen »

Für Newsletter anmelden

(Die Newsletter werden cirka alle zwei Monate versandt)

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner