2. Februar 2026 | Heinz W. Süess
In vielen Praxen und Kliniken fallen die Erfahrungen mit Physician Assistants deutlich positiver aus, als es die anfängliche Skepsis vermuten ließ. In Modellprojekten berichten Hausärzt:innen von spürbarer Entlastung, besserer Planbarkeit und merklich kürzeren Wartezeiten – PAs übernehmen dort rund ein Drittel der Patientenkontakte, ohne dass die Versorgungsqualität leidet.
Teams beschreiben, dass PAs eigenständig Anamnesen, Untersuchungen, Verlaufskontrollen und Teile der Sprechstunde übernehmen und die ärztliche Zeit so konsequent auf komplexe Fälle und Entscheidungen fokussiert werden kann. Patient:innen erleben PAs als gut ansprechbar, kompetent und präsent; in Befragungen würden sie sich mehrheitlich wieder von einer PA behandeln lassen und sehen die neue Rolle als Gewinn für die Praxis.
Auch aus Sicht der Einrichtungen ist das Fazit überwiegend positiv: Kliniken und Praxen berichten von stabileren Abläufen, besseren Übergaben und einer Entlastung sowohl der Ärzt:innen als auch der Pflege. Nach ersten Pilotphasen denken viele Standorte über zusätzliche PA-Stellen nach oder bauen die Rolle strukturiert aus – unterstützt von Auswertungen, in denen über 80–90% der befragten Ärzt:innen den Einsatz von PAs befürworten.
Für alle, die überlegen, PAs einzuführen oder diese Ausbildung zu starten, senden diese Berichte eine klare Botschaft: Wo Physician Assistants gut ins Team integriert werden, gewinnen Ärzt:innen, Pflege, Praxisorganisation – und vor allem die Patient:innen („Die Akzeptanz Ist Hoch“, o. D.) (PA Jobs, 2025) (Beck, 2025).
Beispiele aus Praxen und Projekten
Im Rahmen eines Modellprojekts der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) wurde untersucht, wie Physician Assistants (PA) ärztliches Personal in Praxen unterstützen können. Das Projekt, durchgeführt in Kooperation mit der Hochschule Rheine (EUFH) und der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants (DGPA), läuft seit zwei Jahren und umfasst zehn Praxen.
Ein Beispiel ist die Gemeinschaftspraxis von Dr. Sebastian Gesenhues in Ochtrup: Dort arbeiten mittlerweile fünf PA, die rund 30 % der Patientenkontakte übernehmen. Das führe zu kürzeren Wartezeiten und einer deutlichen Entlastung der Ärztinnen und Ärzte, die sich stärker auf komplexe Erkrankungen konzentrieren können.
Die Akzeptanz der PAs ist sowohl im Praxisteam als auch bei den Patientinnen und Patienten hoch, solange die ärztliche Verantwortung klar bleibt. PAs übernehmen delegierbare medizinische Aufgaben – etwa Anamnese, Untersuchung, Wundversorgung oder Verlaufskontrollen –, dürfen jedoch Tätigkeiten mit Arztvorbehalt (z. B. Bluttransfusionen) nicht ausführen.
KVWL-Vize Dr. Volker Schrage betont, dass die Teampraxis mit PAs für die Zukunft der ambulanten Versorgung „alternativlos“ sei. Auch KBV-Chef Dr. Andreas Gassen sieht das Modell als sinnvoll an, fordert aber eine Vergütungsregelung für diese höherqualifizierten Kräfte (Monecke, A. 2025).
Angesichts des zunehmenden Hausärztemangels suchen Praxen in Schleswig-Holstein neue Wege, die ambulante Versorgung zu sichern. Eine Lösung sehen einige Ärztinnen und Ärzte im Einsatz von Physician Assistants (PA) – akademisch ausgebildeten medizinischen Fachkräften, die auf Delegation ärztliche Aufgaben übernehmen. Obwohl ihre Leistungen derzeit nicht abrechenbar sind, berichten die beteiligten Hausärzte übereinstimmend von spürbarer Entlastung und verbesserter Versorgungsqualität.
In Praxen wie der Gemeinschaftspraxis von Dr. Mark Weinhonig und Dr. Frauke Bantin in Niebüll oder dem MVZ Dokterhuus in Silberstedt übernehmen PAs zentrale Tätigkeiten: Anamnese, körperliche Untersuchungen, Impfungen, Wundversorgung, Blutabnahmen, Dokumentation und Verwaltungsaufgaben. Sie arbeiten eigenverantwortlich, treffen jedoch keine Diagnosen und dürfen keine Rezepte, Überweisungen oder Einweisungen ausstellen. Die ärztliche Therapiehoheit bleibt klar definiert.
Ärzte wie Weinhonig, Brall, Krumbiegel und Deimling betonen, dass PAs ihnen ermöglichen, sich mehr Zeit für schwer erkrankte oder komplexe Fälle zu nehmen. Zudem verbessere sich die Qualität, da PAs durch ihre strukturierte Arbeitsweise und sorgfältige Nachfragen eine Art Kontrollfunktion ausübten. Auch in der Pneumologie zeigen Modelle, dass delegierbare Tätigkeiten – etwa Funktionsdiagnostik oder Routinekontrollen – effizient durch PAs übernommen werden können (Physician Assistants Als Pioniere in der Hausarztpraxis, o. D.).
Stimmen von Physician Assistants
Hannah, gelernte medizinische Fachangestellte (MFA) und angehende Physician Assistant (PA), berichtet von ihrem Studium und ihrer Arbeit in einer Hausarztpraxis. Sie entschied sich für das PA-Studium, weil sie mehr Verantwortung übernehmen und sich beruflich sowie finanziell weiterentwickeln wollte – als Bindeglied zwischen MFA und Arzt.
Ihr Studium an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Hannover vermittelt medizinische und theoretische Grundlagen, ist aber weniger praxisorientiert als andere Studiengänge (z. B. FH Papenburg). Im Arbeitsalltag arbeitet Hannah etwa 20 Stunden pro Woche in mehreren Praxen und unterstützt vor allem in der Akutsprechstunde: Sie führt körperliche Untersuchungen durch, bespricht Befunde, empfiehlt Therapien nach Rücksprache mit den Ärzten und erledigt zahlreiche Verwaltungsaufgaben (Laborbefunde, Reha-Anträge, Verordnungen).
Sie beschreibt, dass sie schrittweise in ihre Aufgaben hineinwächst und weiterhin Zusatzqualifikationen wie Sonografie- und EKG-Kurse plant. Wichtig für PAs seien Empathie, Lernbereitschaft und ein realistisches Selbstverständnis, da sie keine Ärztinnen oder Ärzte ersetzen.
Im Team wird ihre Rolle sehr positiv aufgenommen: Ärztinnen und Ärzte schätzen die Entlastung, MFAs profitieren von der flachen Hierarchie und der guten Zusammenarbeit. Hannah wünscht sich eine klare Abrechnungsregelung für PA-Leistungen, insbesondere im ambulanten Bereich, und langfristig eine Etablierung des Berufsbilds in jeder Praxis (Blog & Blog, 2025).
PAs heben oft positiv hervor: mehr Zeit für Patientengespräche, langfristige Beziehung zu Patient:innen in der Praxis und geregeltere Arbeitszeiten im Vergleich zur Klinik (Physician Assistants Als Pioniere in der Hausarztpraxis, o. D.).
Quellen
Monecke, A. (2025, March 1). Modellprojekt fur physician assistants trifft auf hohe Akzeptanz im praxis-team. Medical Tribune – Hier spielt die Medizin. https://www.medical-tribune.de/praxis-und-wirtschaft/artikel/modellprojekt-fuer-physician-assistants-trifft-auf-hohe-akzeptanz-im-praxis-team
„Die Akzeptanz ist hoch“. (o. D.). Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung. https://www.zi.de/detailansicht/gemeinsame-medieninformation-physician-assistants-in-westfalen-lippe-modellprojekt-belegt-nutzen-fuer-die-ambulante-versorgung-pionierarbeit-loest-weitere-initiativen-ausPA Jobs.
Blog, P. & Blog, P. (2025, 28. Februar). Was macht ein Physician Assistant in einer Hausarztpraxis? PA Blog – Alles Rund Um den Physician Assistant. https://pablog.de/berufsleben/physician-assistant-in/was-macht-ein-physician-assistant-in-einer-hausarztpraxis/
(2025, 12. Juli). PA Jobs | Jobplattform Physician Assistant. https://pajobs.de/erfolgsgeschichten/Beck, H. D. (2025, 27. Juni). Physician Associates – Die unbekannte Berufsgruppe mit dem grossen Potenzial. https://www.medinside.ch/de/physician-associates-die-unbekannte-berufsgruppe-mit-dem-grossen-potenzial-zhaw-20250620


